ROBERT_DOISNEAU_Les_Enfants_de_la_Place_HebertIn einer Bildbeschreibung besteht die Kunst darin, in Sprache zu übersetzen, was im Bild zu sehen und wie es aufgebaut ist. Dabei soll nicht interpretiert werden. Das ist oft gar nicht so einfach, da die Sprache dies unterschwellig stöndig machen möchte – aber man kann sie für das genaue Beschreiben trotzdem ganz gut gebrauchen!

Hier ein Beispiel:

„Les enfants de la place Hébert“ ist der Titel einer Fotografie von 1957. Das Bild, welches ich vor mir habe, ist eine in Graustufen ausgedruckte Kopie davon.
Im Vordergrund sind drei Menschen zu sehen, im Hintergrund ein Coiffeursalon, hinter dem ein weiteres Haus steht. Dazwischen befindet sich jeweils eine gepflasterte Strasse.
Bei den drei Menschen handelt es sich um zwei Mädchen und einen Jungen. Sie stehen auf dem Bürgersteig. Zuvorderst ist eines der Mädchen, sie ist die jüngste. Sie steht frontal zum Betrachter. Sie trägt eine weisse Schürze und darunter einen Pullover. Die Schürze reicht bis knapp über ihre Knie, von dort an trägt sie möglicherweise Strümpfe, oder ihre Beine sind nackt bis zu ihren Schuhen. Sie hat beide Arme angewinkelt am Körper, mit den Handflächen zu sich gedreht. Ihr rechtes Bein ist eingeknickt und steht vor dem linken. Ihre Haare reichen bis zu den Schultern, und Fransen verdecken die Stirn. Das andere Mädchen steht so hinter ihr, dass wir ihre rechte Körperhälfte voll sehen, aber die linke zum Teil verdeckt ist. Sie ist fast doppelt so gross wie das erste Mädchen. Sie steht ein wenig in den Knien. Mit ihren Händen berührt sie das kleinere Mädchen an den Schultern. Sie trägt einen Mantel, der über ihre Knie reicht. Von ihrem linken Bein sieht man nur Streifen, und von ihrem linken Fuss, der ein Stück nach aussen gedreht ist, sieht man die Spitze nicht. Ihre Haare sind gleich lang wie die von dem kleinen Mädchen, aber sie sind dunkler und sie hat keine Fransen. Sie zieht ihre Augenbrauen hoch und spitzt ihren Mund, heute nennt man das „duckface“.
Der Junge schaut als einziger nicht zum Betrachter. Er steht ein Schritt weiter rechts und lehnt sich an eine Säule. Wir sehen ihn von links. Er trägt dunkle Kleider, sein Blick ist gesenkt, seine Beine sind überkreuzt und die Hände hat er in den Hosentaschen. Auf der Seite sind seine Haare kurz und oben hat er sie nach hinten gegelt. Vorne an der Jacke sind auf Brusthöhe weisse, horizontale Striche, welche Brusttaschen sein könnten. Er ist der grösste von den dreien. Die Säule an die er sich lehnt, füllt den rechten Bildrand, bis auf einen kleinen Raum oben und unten, wo Hauswand und Bürgersteig die Fläche decken. Die Säule ist unten senkrecht gestreift. Etwa auf der Höhe der „Brusttaschen“ des Jungen ist sie nicht mehr gestreift. Dort sind in der Säule zwei vergitterte Löcher übereinander sichtbar, was aussieht wie ein Lautsprecher. Das obere Loch ist auf Kopfhöhe des Jungen. Darüber ist ein Kästchen mit der Aufschrift „POLICE“.
Die Strasse hinter den Kindern macht eine Abzweigung. Ein Weg führt hinter dem Coiffeursalon durch und der andere geht vorne durch und bildet die Strasse zwischen den Kindern und dem Eckhaus mit der Aufschrift „COIFFEUR“. Bei der Strasse, die hinten durchführt, steht auf der dem Coiffeursalon gegenüberliegenden Strassenseite „LA PISCINE“ angeschrieben.

Reyan Chaaban, 2Ü 2015/16