Das Wort «sublim», auf Deutsch auch das Erhabene, kommt aus dem Lateinischen und man könnte es auf Deutsch etwa so übersetzen: unter (sub-) der Schwelle der Grenze (lat. Limes = Grenze). In der Verwendung des Wortes in unserem Zusammenhang meint man eher “unter der Schwelle der echten Gefahr”. Dabei geht es darum, dass man Gefahr empfinden will, man selbst aber in einem sicheren Umfeld ist. Das heisst, die Gefahr wird nicht unbedingt erlebt, sondern es wird viel mehr aus einer sicheren Distanz zugesehen. Unter dem Erhabenen versteht man auch die Anmutung von etwas Grossem oder Heiligen, dies kann in unterschiedlicher Hinsicht (ästhetisch, religiös und/oder ethisch) sein. Dieses Grosse kann dazu führen, dass man nicht mehr logisch oder realistisch denkt, sondern sich etwas vorstellt, das mit Ehrfurcht, Verehrung, Achtung oder auch Schrecken verbunden ist.   

Das Erhabene wurde erstmals im 18. Jahrhundert besprochen und in einen Zusammenhang mit dem Erleben der Natur gebracht. Damit meinte man ein Gefühl, das uns auch heute noch sehr vertraut ist, wenn man durch heftige Naturereignisse oder Landschaftsanblicke beeindruckt wird. Kant sagte, die Schönheit liege nicht in der Natur selbst, sondern darin, wie der Mensch diese empfinde. Man begann die eigene Wahrnehmung in die Darstellung der Natur einzubeziehen und die Natur nicht mehr vornehmlich als das Schöne (die Schöpfung) zu betrachten.

Kants «Kritik der Urteilskraft» von 1790 zeigte, dass in der Epoche der Romantik ein neues Schönheitsideal in der Natur sichtbar wurde. Mit der Romantik kamen die Sehnsucht und das Schweifen in die Ferne auf, und so begann eine breite Bewegung, auch bei Gruppen, die nicht viel mit der Kunst zu tun hatten. Dies war die Geburtsstunde des Tourismus oder zumindest einer ganz neuartigen Phase davon, die auch mit der Erfindung der Dampfschiffe und der Eisenbahn einherging. In der Schweiz waren vor allem die Alpen ein Fluchtpunkt für dieses Empfinden. Schon zu dieser Zeit sah man ein wirtschaftliches Potenzial, um das Erhabene in der Natur zu Geld zu machen, in einem noch armen Land, aus dem viele auswanderten.

Schon länger erfährt die Suche nach dem Sublimen, wie vieles andere, auf Social Media eine Renaissance. So entstehen zum Beispiel die bekanntesten instagram-able Locations, auch Hot Spots genannt, deren „Nutzung“ – Hingehen, Fotografieren, sich damit selber verewigen – durchaus schädlich für die Umwelt werden kann.

Jedoch tritt das Erhabene nicht nur bei den Hot Spots für Instagram auf, sondern auch in der Natur in unserer Umgebung. Auf unserer Wanderung beim Blauenpass haben wir einige Aussichten und Momente festgehalten, die zu unserem Thema passen. Auf der Abbildung 3 sieht man die Aussicht, die wir hatten, als wir eine kleine Pause eingelegt haben. Seitlich führte ein Weg steil bergab und wir waren froh, dass wir einen anderen Weg nehmen konnten, denn der seitliche Weg war zwar sehr eindrücklich, schnell wäre diese Route aber anstrengend geworden. Irgendwie barg die Strecke dieses Gefühl der vorstellbaren Gefahr.

Noch heute ist die Sehnsucht nach Erleben vorhanden. Und wie schon früher gibt es auch heute unterschiedliche Arten, die Natur wahrzunehmen oder sein Interesse an ihr zu begründen. Neueren Datums ist vielleicht das Bedürfnis, die intakte Natur zu erleben, bzw. die Idylle zu suchen und geniessen. Der Mensch empfindet ein positives Gefühl in ökologischer Umgebung. Dieser Aspekt hat insofern mit Grenzen zu tun, als man sich gerne in Umgebungen aufhält, in denen sich die Grenzen der Belastbarkeit nicht ständig zeigen.