Ich bin auf mich alleine gestellt. Spüre irgendwie eine Gefahr, die mich verfolgt. Mein Puls beschleunigt sich und mein Atem wird langsamer und schwerer. Habe ich Angst oder ist das nur Einbildung? Ich spüre eine Grenze, die ich nicht überschreiten will. Ich will diese Gefahr nicht. Werde ich es überhaupt schaffen?  Ich habe Angst.

Diese Gedanken begegnen manchen im Alltag und lassen viele an ihrem Selbstbewusstsein zweifeln.

Angstgrenze wäre ein passendes Wort für solche Gedanken. Angstgrenzen, die eine Gefahr abhalten können, und Angstgrenzen, die überwunden werden wollen.

Nun ist Angst jedoch in erster Linie ein natürliches Gefühl, welches jeder mal erlebt hat. Die Angst ist ein wichtiger Faktor für unser soziales Leben. Durch Angst können wir nämlich eine Gefahr vermeiden. Sie gibt uns ein Signal, das lebenswichtig für uns werden kann.

Doch obwohl Angst Teil unserer Natur ist und für unsere Sicherheit in unterschiedlichen gefährlichen Situationen, die uns in unserem täglichen Leben begegnen können, notwendig ist, kann sie gefährlich werden, wenn sie zu viel Platz einnimmt. Wächst sie über uns hinaus, übernimmt sie die Kontrolle über uns und unsere Handlungen.

So wie Angst die Fähigkeit hat, Grenzen zu bilden, können Grenzen auch Angst erzeugen.

von Grenzen und Ängsten

Wir Menschen versuchen in unserem Leben viele Grenzen zu überschreiten. Dies gelingt auch und man fühlt sich auch mutig. Man ist offen für Neues, will Neues entdecken, etwas Neues ausprobieren, usw. Aber manchmal will oder kann man eine Grenze nicht überschreiten, weil man das Gefühl hat, dass man vor einer Gefahr steht. Das Gefühl von Übelkeit, Herzrasen, Schwitzen, Zittern und Atemnot. Diese Merkmale sind ein Anzeichen für Angst.

Ursachen und Folgen von Angststörungen

Beschützende Angstgrenzen:

Bild 01: Fussgänger- Hängebrücken.

Das Gefühl Angst wird meistens mit etwas Negativem assoziiert, obwohl die Angst etwas Lebensnotwendiges ist. Sie schützt uns vor oder in Situationen, die gefährlich sind oder sogar tödlich enden könnten. Würden wir ein Gefühl wie Angst nicht verspüren, könnten wir keine Erfahrungen mit Gefahren sammeln.

Die Angst war bereits wichtig für die Evolution der Menschen, da der Mensch schon seit Geburt der Gefahr ausgesetzt ist. Wovor wir uns Menschen fürchten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dennoch gibt es auch grundlegende existentielle Ängste, welche auf die ursprüngliche, Existenz sichernde Funktion zurückgehen.

Wenn die Angst Grenzen sprengt:

Jeder hat ein unterschiedliches Maß an Angstreserve. Am prägendsten sind die Ereignisse, die im Geist einer Person verwurzelt sind, oder die menschliche Erfahrung in verschiedenen Situationen. Aber wenn jemand nun vorsichtiger oder ängstlicher ist als jemand anderes, ist dies kein Ausdruck einer übertriebenen oder pathologischen Angst.

Bild 02: Angststörungen.

Es geht erst dann um übertriebene oder pathologische Angst, wenn große Ängste ohne überzeugende Gründe auftauchen oder auch wenn überhaupt keine Gründe auszumachen sind. In diesem Fall erzeugt die Person negative Gedanken und stellt sich Dinge vor, die so übertrieben sind, dass sie in Ereignissen lebt, die ausserhalb ihrer Vorstellung nicht existieren. Im übertragenen Sinne wird die Angst größer als der Mensch und setzt ihm damit Grenzen und Barrieren, so dass der Mensch in seinem Leben nicht vorankommen kann, er ist im Gefängnis der Angst eingesperrt.

Zwangsstörungen sind das Ergebnis übermäßiger Angstzustände und können zu körperlichen Erkrankungen führen. Diese Angstsymptome können sowohl physischer (schneller Herzschlag, Schwitzen usw.) als auch psychischer Natur sein (ständige Katastrophenszenarien, Vermeidungsverhalten wie die Weigerung, auszugehen usw.). Angststörung kann viele Formen annehmen:

Generalisierte Angststörung:

Für Menschen mit einer generalisierten Angststörung sind Sorgen und Ängste ständige Begleiter. Diese Ängste haben oft keinen konkreten Anlass.

Zwangsstörung:

Die Zwangsstörung resultiert aus Zwangsgedanken, die eine Person dazu zwingen, bestimmte Rituale durchzuführen, um diese Gedanken aus ihrem Geist zu verbannen. (Typisch sind Händewaschen, übertriebenes Duschen und bestimmte Gewohnheiten, um schwere Krankheiten zu vermeiden).

Phobie:

Menschen, die unter Phobie leiden, haben hochgradig Angst ( Flugreise, Höhe, Spritzen, Blut … etc). Dabei können bereits die entsprechenden Schlüsselreize zu heftigen Reaktionen führen.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS):

Diese Art von Störung resultiert aus schockierenden Ereignissen, die die Belastbarkeitsgrenzen der menschlichen Psyche überschritten haben (Trauma). Ein Mensch kann es nicht vergessen und es bleibt in seinem Kopf verankert (Naturkatastrophen, Unfälle, sexuelle Ausbeutung, Kriege, Flucht usw.).

Panikstörung:

Die Patienten leiden unter heftigen Angstattacken und psychischen Symptomen (z.B: Atemnot, Herzrasen, Erstickungsgefühle, Übelkeit … etc)

Pathologische Angstlosigkeit:

Bild 03: Angstlosigkeit

Pathologische Angstlosigkeit bedeutet eine emotionslose Reaktion, die jede Gefahr ignoriert und als normal oder unauffällig hinnimmt. Diese Art von Gefühl kann positive sowie auch negative Wirkungen haben. Positiv gesehen kann man mehrere Sachen im Leben erreichen und man hat keine Belastungen. Negativ gesehen erlebt man viele Risiken, ohne sich einer Gefahr bewusst zu werden .

Die Ursache für die pathologische Angstlosigkeit kann genetisch wie auch durch die Verhältnisse in der Umgebung bedingt sein. Man kann pathologische Angstlosigkeit nicht heilen, die dadurch entstehende Gefährdung ist beträchtlich.    

                                                                                                                                                  

Schwellenangst:

Eine Angst vor der Zukunft. Etwas Neues auszuprobieren macht uns Angst. Soll ich einen Schritt nach vorne machen oder für immer da stehen, wo ich bin? Vielleicht ist eine Veränderung in meinem Leben eine Gefahr, keine Chance? Nein, ich überschreite diese Schwelle lieber nicht.

Wir Menschen bleiben an einem Ort, welcher uns vertraut ist. Wir spekulieren oft über das Künftige, und ob es sich gut oder schlecht zeigen wird. In solchen Situationen denken Menschen oft pes­si­mis­tisch. Dies führt dann zu Unsicherheiten, Zweifeln, Verlegenheit, Unentschlossenheit und Minderwertigkeitsgefühlen. Es sind seelische Probleme, die man oft für sich behält.

Behandlung von Angststörungen:

Es gibt drei typische Behandlungen von Angststörungen:

Frau liegt mit geschlossenen Augen auf Behandlungsbank. Zweite Frau steht gestikulierend daneben.
Bild 04: Therapie.
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Medikamentöse Therapie
  • nicht medikamentöse Therapie

zusätzliche Informationen zur Angststörungsbehandlung: Angststörung: Symptome und Behandlung – Onmeda.de

 

                                                                                                                   

             


Bildquellen:

Bild 01: https://www.haengebruecken.com/

Bild 02: Angst – Eine Videodokumentation über Angststörungen – OFPG

Bild 03: https://www.veko-online.de/archiv-ausgabe-03-2018/1130-titel-angst.html                                  

Bild 04: Hypnose und Angst: Hypnotherapie ist wirksame Methode zur Behandlung von Angststörungen | therapie.de